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Viola Eigenbrodt im .kunstportal-bw über Rheinzabern

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Das "Porzellan" der Römer feiert Geburtstag – 1950 Jahre Rheinzabern

"Die Römer verschandeln mit ihren Bauwerken noch die ganze Gegend", mokiert sich Obelix bei Asterix beim Anblick eines Aquädukts. Heute reisen wir in Strömen zum Pont du Gard, um die Überreste eines solchen zu besichtigen. Die einstigen Besatzer haben uns viel hinterlassen, deutlich sichtbar an den großartigen Schiffsfunden von Mainz, römisches headquarter, Forum und Porta Nigra in Trier,Verwaltungszentrum, oder an den unzähligen Brennöfen der riesigen
Manufaktur für Gebrauchskeramik in Rheinzabern, "Tabernae". Hier wurde in unglaublichen Massen das Porzellan der einfachen Leute, die sogenannte "Terra Sigillata" produziert. Ihren Namen hat die Ware, die durch ihren glänzenden rötlichen Überzug einen signifikanten Wiedererkennungwert hat, von den Siegeln, die sie von den anderen großen Manufakturen wie z.B. Arezzo in Italien oder La Graufesenque in Frankreich unterschied. Doch nicht nur Töpfe wurden hier gebrannt, sondern zunächst Ziegelsteine für die oben erwähnten Bauwerke. Und durch diese kann der Beginn des kleinen vicus annähernd datiert werden.

An der großen linksrheinischen Hauptverbindungstrasse, die von Italien bis an die Nordseeküste führte, entstand Tabernae als Straßenstation für die durchziehenden Kohorten der Kaiser. Wahrscheinlich wurde durch einen Zufall beim Anlegen der Strasse das Tonvorkommen angeschnitten. Das Mainzer Doppellegionslager brauchte Unmengen an Baukeramik, wie Dachziegel, Bodenplatten verschiedener Formate und ähnliches mehr. Die Produktion begann und kann historisch in den Anfang des ersten nachchristlichen Jahrhunderts belegt werden. Schnell wuchs die Station zu einer gewaltigen Manufaktur heran, zur größten Werkstatt nördlich der Alpen, die im Jahr 1,5 Millionen Gefäße produzierte. Sie war zuständig für das komplette
nordrömische Reich bis an die Donau. Mit dem Rückzug der Römer aus Germanien kam auch
allmähliche Verfall der Siedlung. Zuerst zogen die Soldaten davon, der zivile Bedarf wurde weniger. Das Ende der Siedlung datieren die Archäologen in das vierte nachchristliche Jahrhundert. Viele der römischen Reste wurden danach als Steinbruch für die neuen Bewohner Tabernaes benutzt. Im 16. Jahrhundert erinnerte man sich wieder der glorreichen Vergangenheit und begann, Töpfe und Sarkophage zu sammeln. Ausgrabungen folgen im 19.Jahrhundert, systematische wissenschaftliche Erforschungen in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Museum zeigt nicht nur Beispiele der gefundenen Gefäße, sondern Lagepläne und Rekonstruktionen, die gut verständlich angelegt sind. Ein unglaublicher
Silberfund veranschaulicht die Tischsitten der besseren römischen Gesellschaft. Die logistische Meisterleistung der antiken Supermacht wird in Rheinzabern in Zeiten von DSL und MMS-Handys unerreichbar manifestiert.

Info:
www.rheinzabern.de/navigation/start_museum.html

Viola Eigenbrodt

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