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Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

"So tun, als ob es regnet" von Iris Wolff

Buchtipp des Monats von Uli Rothfuss

Hm. Ich schlage manchmal in diesem Roman manchmal zwei, drei Seiten wieder zurück, und lese sie nochmals. Nicht, weil ich etwas nicht „verstanden“ hätte, sondern um, laut lesend, diese so musikalisch hinfließende Sprache zu genießen. Eine Sprache, die berührt, die in ihrer Schlichtheit und zugleich tiefgründigen Vielschichtigkeit „mitnimmt“ auf ganz besondere Art. Ich könnte diese Art Erzählliteratur lesen und lesen und von ihr fortgetragen werden, und selbst wenn die Geschichte keinen Sinn ergäbe, so genügte mir wahrscheinlich doch einfach diese erschütternd ins Innere greifende Erzählsprache.

Vier Erzählungen, die Folgegeschichten der Mitglieder einer Familie, fügen sich zusammen zu einem Roman. Die Autorin beginnt wieder, und das tut gut, denn hier ist sie immens stark, mit rumäniendeutschen Ursprüngen, diesmal aber greift sie aus in spätere Generationen, bis hin nach La Gomera, wo die Enkelin der rumäniendeutschen Ursprungsfamilie landet. Und erzählt so ein gutes Stück Europas, das uns alle heute angreift.

Und es ist viel, was diese Erzählungen uns geben. Milieuschilderung, des Dorflebens im von Deutschen geprägten Teil Rumäniens noch vor dem Krieg, wenn schon erste Irrlichter der heraufziehenden Katastrophen aufleuchten, bis hin zu den Zeiten, wenn reduzierte Reminiszenzen bloß noch an jene Zeit erinnern, wenn das Aufscheinen von Erinnerungen an jene Zeit wehmütig zeigt, wie unwiederbringlich sie sind, und man dennoch sie zurückzuholen versucht, wieder gegenwärtig zu machen, was verloren ist.

Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

Es gehört zur Tragik dieses verdammten 20. Jahrhunderts, dass so viel verloren ging, was gerettet hätte werden können, wenn nur die Zeiten oder die Menschen etwas anders gegangen wären. Eine ganze Kultur ging unter, jahrhundertealt, mit der Deportation und später dem Exodus der Rumäniendeutschen, nur klägliche Reste blieben zurück, kaum mehr fähig, etwas von dem zu bewahren, was einst das Land prägte. Iris Wolff leistet nicht nur Erinnerungs- sondern auch Bewahrungsarbeit – sie weckt Geschichte durch Geschichten zum Leben, sie hält die Kultur durch ihre Geschichten am Leben. Und sie schafft gleichzeitig Brücken zum Heute. Es ist kein weinerliches Buch, sondern dem Heute, der Zukunft zugewandt. Geschichte geht nach vorwärts, das Verharren dient dem Augenblick, dem Augenblick des Lesens, und während des Lesens spürt man schon den Zug nach vorn, bei all dem, was aus der Vergangenheit kommt.

Noch ein Aspekt. Mit Iris Wolffs Büchern lerne, erarbeite ich mir viel an europäischer Geschichte, an Erkenntnis über die Entwicklungslinien zwischen den Kulturen Europas; ganz ohne den historisierenden Impetus der Geschichtslehrer und Geschichtsdeuter, die auch auf den Literaturmarkt drängen, sondern einfach, indem ich Lebens- und Familiengeschichte nachzuvollziehen lerne, und die Autorin macht mir dies leicht mit ihrer schlichten, mitnehmenden Sprache, mit ihrer Fähigkeit, Fakten mit Fiktion, Ereignisse mit Charakterlinien zu verbinden. Das ist spannend zu lesen, weil es mir Erkenntnis ganz ohne besserwisserische, fingerhebende Faktenvermittlung nahe bringt. Und das passt nur, wenn alles gut recherchiert ist.

Deshalb: wieder ein fundiert ausgehobenes Buch der Autorin, das Spaß macht zu lesen, mit viel Lese- und Sprachgenuss, aber das mir wieder einmal und weiter diese immense osteuropäische Geschichte der Deutschen und ihre durch die Widerläufe des 20. Jahrhunderts querlaufenden Entwicklungslinien nahebringt. Spannend und zugleich ungemein erhellend.

Iris Wolff: So tun, als ob es regnet. Roman in vier Erzählungen. 166b S., geb., Otto Müller Verlag, Salzburg 2017, 18 €.

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