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Kulturtipps von Uli Rothfuss_Buchtipp 264

Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

die entdeckung von räumen:

"paris berlin new york" und "konstruktion einer stadt" von wolfgang herrmann

die entdeckung von räumen, das durchwandern der stadt mit dem blick auf das kleine, unscheinbare, und in diesem das große zu entdecken, das macht wolfgang herrmann in seinen beiden büchern zum prinzip: poetisch zu entdecken, sich selbst und in der folge uns lesern zu erschließen, was weder mit mitteln der fotografie noch des plans möglich ist: atmosphäre darstellen, das spezifische von stadtkulturen – beispiele: berlin, new york – ja, die wirkungen auszuloten, die das spezifische einer stadt auf mich entfacht; und sie weiterzudenken. fast sind diese bücher programmatisch für ein projekt, das an fahrt gewinnt: räume, stadt- und landschaftsräume „poetisch“ zu erkunden, und so einen umfassenderen, einen tiefergehenden eindruck zu gewinnen als es mit ingenieurplanerischen mitteln jemals möglich wäre.

Kulturtipps von Uli Rothfuss in SWO_Buchtipp 258

"paris berlin new york"
nennt er das erste, und wie wolfgang herrmann in diesen städten begegnen mir in seinem buch fundstücke: „ich gehe durch verwandlungen“ – das be-, das ergehen einer stadt hat in erster linie mit ihm, mit ihm als beobachtendem, als schreibendem zu tun. und er lässt sich auf die umgebung ein – „es genügt, dass ich die rue de bellville verlasse … um jede idee von mir selbst zu verlieren.“ schließlich: „ich bin nichts anderes als der ort, an dem ich mich befinde.“ wolfgang herrmann macht das konzept seiner poetischen stadterkundung zum prinzip, zur raumpoetischen theorie: „die orte, durch die ich gehe, sie gehen durch mich hindurch, erfüllen mich mit ihrer schwere, ihrer trägheit, geben mir die leere, das stummsein oder die redseligkeit, im schlimmen fall die geschwätzigkeit, die mich traurig zurücklässt. im grunde gibt es nur zwei fragen: was sind diese orte? und: wer bin ich an diesem, an jenem ort?“ dazwischen, immer wieder wundervoll poetische beobachtungen: „sie hat ein schönes, leicht abwesendes lächeln.“ – wer wäre davon nicht angerührt? und verbindet künftig diesen ort mit diesem lächeln. ja, wolfgang herrmann macht ortsbegehungen, und die orte wirken auf ihn, poetisch, er äußert sie wieder in dichterischer form: „am freiesten ist man – wäre man -, wenn man mit dem ort … übereinstimmte, wenn man … nichts als der ort … wäre … der ort ist es, der spricht.“ aber auch: „ein ort schließt den anderen aus“ – er demonstriert damit zeitgebundenheit, hin zum ort in genau diesem augenblick. schließlich das über das schreiben hinausgehen: „war es nicht auch gut, ohne das schreiben zu sein und die traurigkeit des lebens bei jedem schritt zu spüren? … und es war gut, durch diese nacktheit die andere nacktheit, die der stadt new york zu sehen.“

was ist das für eine methode, die stadt zu erkunden: als wacher, als aufmerksamer, und zugleich als trauriger, als flanierender träumer? - „vielleicht, weil man viele verschiedene leben leben will und weil man nie weiß, an welcher ecke dieses andere leben einen erwartet“ – die stadt als die möglichkeit, diese vielen leben ausschnitthaft zu leben. – „… der traum, den dingen anders, näher (und auch von weit weg) ins angesicht zu sehen. träume, leben leben.

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