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Harald Schwiers im kunstportal-bw

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Schmökern mit Schwiers

Shakespeare aktuell

Ob William Shakespeare, dessen 400. Todesjahr 2016 mit viel Tamtam begangen wurde, je gelebt hat, ob er der Autor der zahlreichen Stücke, die in Theatern gespielt werden, war, das werden wir nie erfahren. Für die Stratfordianer ist Shakespeares Existenz eineindeutig. Für die Zweifler spricht vieles gegen und nur wenig für das Leben des Autors, Schauspielers und Theaterbesitzers mit diesem Namen. Es sind Glaubensfragen. Gewissheit ist in weiter Ferne.

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In diese Kerbe schlägt Mark Twain, dem wir eine Reihe höchst vergnüglicher Bücher und Satiren verdanken. Twain bezog 1909 die Position der Shakespeare-Zweifler, kannte sich aber in seinem Werk bestens aus. Und natürlich auch in seinem Leben, von dem so gut wie nichts überliefert ist. Twains „Ist Shakespeare tot?“ ist ein extrem pointiertes und zugleich schelmenhaft-bosartiges Kabinettstück über den Meister und sein Leben. Wenn es ihn denn tatsächlich gegeben haben und er gestorben sein sollte, warum hat dann so gut wie keiner davon Kenntnis genommen, es dokumentiert?, fragt Twain zweifelnd und recht launig. Eine köstliche Lektüre.

Handschriftliche Zeugnisse Shakespeares sind Mangelware (mit Ausnahme von sechs Unterschriften) und nun taucht eine Handschrift auf, die ihm von ernst zu nehmenden Wissenschaftlern zugeschrieben wird. Sie ist Teil eines um 1600 entstandenen Stückes, an dem mehrere bekannte Zeitgenossen mitgeschrieben haben sollen. Sei es wie es will: Die (umfangreich erläuterten) sieben Seiten Shakespeare-Text „Die Fremden“ aus dem Drama „Sir Thomas Morus“ sind ein grandioses Plädoyer für Toleranz und ein menschenwürdiges Miteinander. Die Zustände von 1600 in London waren offenbar nicht wesentlich anders, als die im Europa der Gegenwart. Ob von Willie oder nicht: erschütternd.

Mark Twain, Ist Shakespeare tot?, Piper, 127 S., 14 Euro/William Shakespeare, Die Fremden (englisch/deutsch), dtv, 69 S., 6 Euro.

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