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Harald Schwiers im kunstportal-bw

Harald Schwiers im kunstportal-bw

Schmökern mit Schwiers

Spirituelle Sounds

Gebet und Gesang – das gehört in jedem Kulturkreis zusammen.Gleich, welchem Gott die Anrufung gilt. Klassische Beispiele gibt es in großer Zahl: Gregorianische Gesänge, der für Mitteleuropäer eintönig klingende Ruf tibetischer Mönche, Martin Luthers Lieder, die Gesänge der Sufis oder Bachs Choräle, Gospels – die Reihe lässt sich problemlos fortsetzen. Nicht immer kommt es dabei auf künstlerische Schönheit an (Bach und Kollegen hatten die natürlich auch im Sinn).

Harald Schwiers im kunstportal-bw

Zu den musikalischen Genies des 20. Jahrhunderts zählt zweifellos der US-Amerikaner John Coltrane (1926 bis 1967), ein Jazzmusiker, der mit seinem Tenor- und Sopransaxophon nicht nur Kollegen beeinflusste, sondern die Jazzwelt auf den Kopf stellte. Coltrane suchte und fand nach Lehrjahren bei berühmten Kollegen (u.a. Miles Davis) neue Spieltechniken und ungewohnte melodische Ansätze für seine Konzerte. Voraus ging eine Drogensucht, die er durch täglich stundenlanges Üben und mit Hilfe seines Glaubens in den Griff bekam. Sein Einfluss war wegweisend für viele und ist heute noch spür- und hörbar, auch wenn die Ausflüge in den Free-Jazz nicht jedermanns Geschmack trafen. Coltrane ist nach wie vor nicht wegzudenken. Und: Der Glaube prägte den Musiker.
Das sieht Autor Peter Kemper, Journalist und Jazzkenner, nicht anders. Seine Coltrane-Biographie ist streng chronologisch (und an den Plattenveröffentlichungen) orientiert. Kemper bleibt immer sachlich und liebt die Musik seines beschriebenen Idols sehr. Das ist nicht hinderlich, weil Kemper eng an Coltranes nicht gerade einfachem Leben bleibt; von Überschwänglichkeit und Euphorie ist er stilistisch weit entfernt. Das erleichtert den Zugang, dem „Leseswing“ ist es leider ein wenig abträglich. Zur Lektüre empfiehlt sich, Coltranes Aufnahmen wieder zu hören. Ein sinnlicher Ausgleich, der sich lohnt.

Peter Kemper, John Coltrane, Reclam, 207 S., zahlreiche Fotos, 25 Euro.

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